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Briefträgerinnen

Objektbezeichnung:Fotografie
Künstler:
Manninen, Tuomo
Datierung:2003
Maße:H: 100 cm, B: 100 cm
Technik:C-Print
Die Fotografie "Briefträgerinnen" aus dem Jahr 2003 ist ein hervorragendes Beispiel dafür, dass der Raum, in den Tuomo Manninen seine Figuren auftreten lässt, mehr ist als eine Kulisse, ein passender Hintergrund für die vorgestellten Personen. Dafür wäre in diesem Fall der Betriebshof der Post der geeignete Ort gewesen. Indem Manninen auf diesen "natürlichen" Hintergrund verzichtet und eine Naturumgebung wählt, die im Hinblick auf die Tätigkeit der dargestellten Figuren "unnatürlich" ist, gewinnt er in mehrfacher Hinsicht Raum.
Ganz praktisch ist es Spielraum, nämlich die ganze Höhe, Breite und Tiefe der Strandumgebung, ein Raum, der von kleinen Sandhügeln im Vordergrund zu einem fernen Ufer am Horizont reicht. Ein solcher Ort bietet jede erdenkliche Möglichkeit, Figuren aufzustellen, seitlich zu verschieben oder von vorne nach hinten zu rücken. Es ist
der ideale Ort für den Aufbau einer komplexen Figurenstellung.
Man kann das Bild der Briefträgerinnen am Strand wie ein Schachdiagramm ansehen. Manninen stellt uns gleichsam eine spannende Partie vor, eine Stellung, die vielfältige Kombinationen anbietet. Es ist ein Spiel mit offenem Ausgang.
Darüber hinaus gewinnt Manninen mit der Platzierung der Briefträgerinnen am Strand, d.h. eigentlich mit deren
Deplatzierung, einen erweiterten Bedeutungsraum. Und hier liegt auch das Problem. Mehrere Variablen stehen auf
einmal in einer komplexen Situation in Beziehung, eine mit der anderen und alle gleichgewichtig untereinander: die
Figuren, der Betrachter, der Raum. In diesem Beziehungsgeflecht gibt es keine eindeutige Lösung, bei der das Spiel
beendet wäre. Es ist eine Pattsituation.
Von welcher Seite man die Stellung auch betrachtet, man findet Ansatzpunkte, Hinweise, die jeder für sich genommen, weiterführen, sich insgesamt aber nicht zusammenfügen. Die passende Metapher hierfür ist der Ort, an dem sich die Briefträgerinnen befinden. Denn an dieser Stelle, dem Sandstrand mit seinen Häuschen für die Badegäste, erweist sich die Situation im wörtlichen Sinne als verfahren. Die Fahrräder stecken im Sand fest. Die eigentliche Aufgabe der Briefträgerinnen, Botschaften zu übermitteln, ergibt hier keinen Sinn. Feierabend. Ende der Vorstellung
Der Ort ist die Botschaft. Nirgendwo sonst haben Künstler das Ende der Vorstellung schöner geschildert als am Ufer des Meeres: all die Bilder von sehnsüchtigen Menschen, die am Strand nicht weiter kommen, von stolzen Schiffen, deren Reise an den Klippen endet..
Norbert Weber

Inventarnummer: 883tuma

Abbildungsrechte: Provinzial Kunstsammlung