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Altaraufsatz aus der Kapelle des Goschhofs (sog. Goschhofaltar)

Objektbezeichnung:Altar
erweiterte Objektbezeichnung:Altarretabel, Altaraufsatz, Altarschrein, Flügelaltar
Sachgruppe:Altäre (Christentum)
Altarteile
Schnitzkunst
Künstler:
Brüggemann, Hans
Datierung:um 1515
Maße:Gesamt: Höhe: 212 cm; Breite: 306 cm; Tiefe: 38 cm
Material:Eichenholz
Nadelholz (Ergänzungen)
Technik:geschnitzt
gefasst
Sammlung:Skulpturensammlung
Das sog. Goschhof-Retabel zeigt im Mittelschrein die Prophezeiung der Geburt Jesu durch die Sibylle an König Salomon. Im Zentrum der Darstellung steht die Heilige Familie: vorne Maria und ihre Mutter Anna, darüber in einem Baum das Christuskind. Zwischen den beiden Frauen war Jesus als Kind zwischen Maria und Anna dargestellt (oder haben ursprünglich die beiden Kinder Jesus und Johannes gesessen). Der Baum mit dem Christuskind bezieht sich auf die mittelalterliche Versdichtung "Van deme holte des hilligen cruzes", wonach Adams Sohn Seth im Paradies Christus im Baum der Erkenntnis erscheint.
Hinter Maria steht ihr Mann Joseph, der Ziehvater Jesu; hinter Anna steht deren Mann Joachim. Die in der Mitte stehenden Figuren, die den Baum flankieren, wurden als die Eltern von Johannes, Elisabeth und Zacharias gedeutet. Stattdessen sind hier aber wohl die Sibylle und König Salomon dargestellt, wie in niederdeutschen Versionen der o.g. Dichtung erzählt wird. Dazu passen die Sprüche auf den Altarflügeln, dern Ursprung wohl älter ist als die Restaurierung des 17. Jahrhunderts. Die Predella zeigt 15 Heilige, darunter die 14 Nothelfer.

In seiner Ikonographie ist das Retabel einzigartig, sein Auftraggeber für den ursprünglichen Standort, die Marianerkapelle in der Marienkirche von Hadersleben, war möglicherweise Gottschalk von Ahlefeldt, der letzte katholische Bischof von Schleswig.
So komplex wie die Ikonographie ist auch die Geschichte der Zuschreibung des Retabels. Nach den Forschungen von Bernd Bünsche wird es jetzt allegemein als ein Werk des jungen Hans Brüggemann angesehen (Bünsche 2005). Durch die nachträgliche Farbfassung und auch barocke Ergänzungen wie die Hände ist die eigentliche Qualität jedoch verunklärt.
Benannt ist das Retabel nach seinem letzten Aufstellungsort, bevor es in das Museum kam: der Kapelle des Goschhofs in Eckernförde, einem Armenhaus, wo es im Zuge der 'Reformation um 1541 Aufstellung fand. Dabei ging der originale Gesprengeaufsatz verloren, als das Retabel der kleineren Goschhof-Kapelle angepasst wurde. Im 17. Jahrhundert wurde das Retabel erneut umgearbeitet: Erst jetzt wurden die Figuren farbig gefasst und vergoldet, die Flügel übermalt. Hier sind nun Zitate aus dem biblischen Hohelied und der Offenbarung zu lesen. Im Sinne Luthers erhält das Wort Gottes Gewicht, entsprechend viel Raum nimmt die Schrift ein. Die Wappen verweisen auf die Stifterfamilie von Ahlefeld.

Literatur:
  • Zubek, Paul/Spielmann, Heinz: Schloss Gottorf und seine Sammlungen. Mittelalter. Neue Bilderhefte (Kunst in Schleswig Holstein, Sonderband), Schleswig 1994. (Seite: 136f.)
  • Dose, Heinrich: Katalog der schleswigholsteinischen Holzschnitzwerke und Intarsien im Thaulowmuseum zu Kiel. Kiel 1884. (Seite: 896)
  • Haupt, Richard: Die Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz Schleswig-Holstein. mit Ausnahme des Kreises Herzogtum Lauenburg, Kiel 1886. (Seite: 169)
  • Matthaei, Adelbert: Zur Kenntnis der mittelalterlichen Schnitzaltäre Schleswig-Holsteins. Mit einem Verzeichnis der aus der Zeit bis 1530 im Thaulow-Museum Kiel vorhandenen Werke der Holzplastik, Leipzig 1898. (Seite: 31ff.)
  • Matthaei, Adelbert: Werke der Holzplastik in Schleswig-Holstein bis zum Jahre 1530 / Text. Leipzig 1901. (Seite: 168ff.)
  • Brandt, Gustav: Führer durch die Sammlungen des Thaulow-Museums in Kiel, des Kunstgewerbe-Museums der Provinz Schlesw.-Holstein. Kiel 1911. (Seite: 14)
  • Schleswig-Holsteinisches Jahrbuch für 1928/29. Das Thaulow-Museum in Kiel (18). (Seite: 20)
  • Scheffler, Wolfgang: Kirchliche Kunst des Mittelalters. Kiel 1938. (Seite: 27)
  • Albrecht, Prof. Dr. Uwe: Corpus der mittelalterlichen Holzskulptur und Tafelmalerei in Schleswig-Holstein, Band III, Schleswig, Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen auf Schloss Gottorf. Band III, Schleswig, Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen auf Schloss Gottorf, Kiel 2016. (Seite: 237-243)

Inventarnummer: AB11
alte Inventarnummer: A.B.11

Signatur: Inschrift Wo: Linker Flügel oben (Innenseite) Was: H. Oberst. leüdtnandt CLAVS. V. ALEFELDT AVF GELTING CANT. 5. Mein freund kömme in seianen garten und esse seiner edlen früchten

Signatur: Inschrift Wo: Llinker Flügel unten (Innenseite) Was: CANT. 8. o, das ich dich, mein bruder, der du meiner Mutter Brüste säugest, draussen fünde, und ich dich küssen müße, das mich Niemand hönete. ich wolte dich führen und in meiner Mutter Haus bringen, da du mich lehren soltest, da wolt ich dich träncken mit gemachtem wein und mit dem Most deiner Granatöpffel.

Signatur: Inschrift Wo: Rechter Flügel oben (Innenseite) Was: F. HEILWICH V. ALEFELDT GEBOREN RANZAVIN VON PODTLODS CANT. 5. Ich komme meine Schwester libe Braudt in meinen Garten. Ich habe meinen Mirrhen sampt meinen Wurtzen abgebrochen. ich habe meines Seims sampt meinem Honige gessen. Ich habe meines weines sampt meiner Milch getrunken esset meine liben unndt trincket meine freundt und werdet truncken

Signatur: Inschrift Wo: Rechter Flügel unten (Innenseite) Was: Apoc 3 Sihe Ich stehe vor die thür unnd klopfte an so Jemand meine stimme hören wird und die thür auf thun Zu dem werde ich eingehen und das abendmahl mit im halten und er mit mir

Fotograf: C. Dannenberg

Abbildungsrechte: Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf


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