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Dokumentenkonvolut

Objektbezeichnung:Dokumentenkonvolut
erweiterte Objektbezeichnung:Dokumente aus dem Nachlass Wilhelm Brix
Hersteller:Central-Form.-Magazin G. Linke Berlin
Ort:Berlin
Datierung:1898-1916
Maße:H: 14,2 cm, H: 32,8 cm, H: 15,6 cm, B: 21 cm (Führungszeugnis), B: 8,9 cm (Militärpass), B: 9,4 cm (Schutzhülle)
Material:Papier
Karton
Technik:Fadenheftung (Militärpass)
Das kleine Konvolut aus dem Nachlass von Wilhelm Heinrich Brix (geboren am 22.06.1875 in Scholderup, Kreis Schleswig) umfasst zwei Dokumente aus der Militärzeit des Besitzers im kaiserlichen Heer zur Regierungszeit Wilhelms II.: Bei dem einen Schriftstück handelt es sich um seinen mit der sprichwörtlichen preußischen Genauigkeit ausgefüllten Militärpass, ausgestellt von der 2. Kompanie des Königlich-Preußischen Telegraphen-Bataillons Nr.1 in Berlin. Die gesamte militärische Laufbahn von Brix - und damit verknüpft auch sein privater Lebensweg - wird hieran vom Dienstantritt am 14.10.1898 als Ersatz-Rekrut bis zur endgültigen Ausmusterung mit fast 41 Jahren aus dem Landsturm am 15.04.1916 im Detail nachvollziehbar. Zuvor ist er „infolge Mobilmachung am 2. Aug. 1914“, wie ein Vermerk nüchtern bemerkt, im zweiten Monat des I. Weltkriegs einberufen, doch letztlich als „unabk[ömmlicher] Beamte[r]“ vom Bezirkskommando Rendsburg zurückgestellt worden. Jede Beförderung, jede Versetzung, jeder Wohnortwechsel, Inhalte der militärischen Ausbildung und Angaben über die Führung des Wehrdienstpflichtigen sind im Militärpass penibel aufgelistet. Aufschlussreich sind auch die ersten 12 Seiten dieses Heftchens, auf denen wesentliche Wehrdienstbestimmungen der kaiserlichen Armee zum Nachschlagen aufgeführt sind. Hier sind an zwei Stellen Richtlinien durch Überkleben mit neuen Textpassagen aktualisiert. Ebenfalls erhalten, wenn auch notdürftig geflickt, ist die Schutzhülle des Passes. Das Format dieses Schriftstücks und seines Papp-Futterals sind auf die Größe der Uniform-Brusttaschen abgestimmt, damit der Soldat dieses Dokument in jeder Lage bei sich führe, was - angesichts der deutlichen Abnutzungsspuren - auch geschehen sein dürfte.
Das andere Dokument ist das auf festem, verstärktem Leinenpapier ausgestellte Führungszeugnis des Telegraphen-Pioniers Brix zur Beendigung des Grundwehrdienstes am 28.09.1900 in Berlin.
Die beiden Dokumente geben „aus erster Hand“ einen Einblick in den langjährigen, durchschnittlichen und dadurch repräsentativen Werdegang eines einfachen Wehrdienstleistenden aus dem preußischen Verwaltungsbezirk Schleswig und zeigen aus der „Froschperspektive“ eines historisch unbedeutenden Zeitzeugen, wie grundlegend die Gesellschaft des wilhelminischen Kaiserreichs vom Militärischen durchdrungen ist.

Inventarnummer: 2008VK641

Abbildungsrechte: Freilichtmuseum Molfsee - Landesmuseum für Volkskunde